Nirgendwo in Europa sind Wohneigentumspreise in den letzten zwanzig Jahren real – also nach Abzug der Teuerung – so stark gestiegen wie hierzulande: rund 109 Prozent. Deutschland kommt auf 23 Prozent, Frankreich auf 4, Italien liegt mit minus 24 Prozent sogar im Minus. Dahinter stehen tiefe Zinsen, stabile Zuwanderung und knappes Bauland. Für Eigentümer ist das erfreulich. Für alle, die noch kaufen wollen, wird es anspruchsvoller.
Wenn die Preise den Löhnen davonlaufen
Das prägende Thema der kommenden Jahre ist die Entkopplung der Preise von den Einkommen. Löhne wachsen in kleinen Schritten, die Preise für Wohnungen und Häuser in Sprüngen – die Schere öffnetsich weiter. Spürbar wird das bei der Tragbarkeit: In vielen Gemeinden lässt sich mit einem durchschnittlichen Einkommen nur noch eine begrenzte Fläche im gehobenen Segment finanzieren.
Gerade im Wallis zeigt sich das ausgeprägt. In touristisch geprägten Höhenlagen reicht es rechnerisch oft nur noch für 60 bis 70 Quadratmeter, während in Gemeinden abseits der Hauptachsen weiterhin über 100 tragbar sind. Zwei Orte, zwanzig Autominuten auseinander, können finanziell in verschiedenen Welten liegen. Hier entscheidet sich, ob ein Kaufprojekt realistisch ist – nicht auf der Ebene nationaler Durchschnitte.
Der Mietmarkt: diestille Verknappung
Noch deutlicher ist die Lage bei den Mietwohnungen. Die Angebotsmieten steigen weiter, für 2026 zeichnet sich landesweit ein Plus von rund 2 Prozent ab. Am aufschlussreichsten ist aber eine andere Entwicklung: Das günstige Angebot bricht ein. Waren 2019 noch gut 75'000 Inserate unter 200 Franken pro Quadratmeter ausgeschrieben, sind es 2025 nochrund 27'500 – ein Rückgang um etwa zwei Drittel.
Es fehlt also nicht Wohnraum an sich, sondern bezahlbarer Wohnraum. Für eine Region, die auf Saisonkräfte, junge Familien und Zuzüger angewiesen ist, hat das reale Folgen. Passend dazu sind die Leerstände in den grösseren Walliser Gemeinden seit 2022 durchgehend gesunken, mancherorts von über sieben auf unter drei Prozent. Der Markt ist nicht nur teurer, sondern auch enger geworden.
Geschäftsflächenund Zinsen
Bei den Büro- und Verkaufsflächen ist das Bild umgekehrt: Hier stehen die Mieten unter Druck, für 2026 werden leichte Rückgänge erwartet. Für Investoren heisst das vor allem, dass Wohnnutzungen aktuell die verlässlichere Karte sind als Gewerbeflächen ausserhalb der besten Lagen.
Die wichtigste Stütze bleibt die Geldpolitik. Der Leitzins dürfte 2026 unverändert bleiben, eine erste Erhöhungwird frühestens Mitte 2027 erwartet. Hypotheken bleiben damit günstig. Der limitierende Faktor ist nicht der Zins, sondern der Preis und die Tragbarkeit.
Was das für das Wallis konkret bedeutet
Die grösseren Gemeinden wachsen ungefähr im Schweizer Schnitt, getragen von Zuwanderung; einzelne touristische Orte stagnieren dagegen. Bei den Preisen für gehobene Eigenheime ist die Streuung enorm: von rund 3'500 Franken pro Quadratmeter in einzelnen Talgemeinden bis weit über 15'000 in den bekannten Feriendestinationen. Genau diese Spannweite macht die Region für Investoren interessant – und zugleich fehleranfällig, wenn man mit Durchschnitten statt mit konkreten Lagen rechnet.
Unsere Einschätzung
Lage schlägt Zeitpunkt. Bei dieser Preisstreuung ist die Wahl der Gemeinde wichtiger als die Frage, ob man dieses oder nächstes Jahr kauft.
Tragbarkeit zuerst. Wer kaufen will, sollte zuerst rechnen, was tragbar ist – und dann suchen. Umgekehrt endet es meist in Enttäuschung.
Mittleres Mietsegment bleibt gefragt. Angesichts des knappen günstigen Angebots und tiefer Leerstände sind gut positionierte Mietliegenschaften ein solides Fundament – vorausgesetzt, Unterhalt und Energiethema sind geklärt.
Du prüfst im Wallis einen Kauf, Verkauf oder die Neupositionierung einer Liegenschaft? Wir kennen die Unterschiede von Gemeinde zu Gemeinde und rechnen mit dir durch, was realistisch ist. Melde dich für ein unverbindliches Gespräch.



